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Die Gott-Maschine der Schweizer

Mittwoch, 25 Januar 2012
Freigegeben in Wissenschaft

100 Meter unter der Erde, im Tiefbunker unter dem Ort „Cern" spielen Europas Forscher Gott. In einer 27 km langen Test-Anlage versuchen sie, den Urknall nachzustellen. Ziel: Higgs-Teilchen finden. Risiko: Weltuntergang.

EU/CERN/SCHWEIZ (cm/icei) In Wissenschafts-Kreisen sorgte die Inbetriebnahme des LHC, des „Large Hadron Colliders" in der Schweiz weltweit für Aufruhr.Während der eine Teil der Wissenschaftler eine Chance auf die Entschlüsselung der Geheimnisse des Lebens sieht, bereitet sich der andere auf den Weltuntergang vor.

Der LHC ist eines der größten wissenschaftlichen Projekte aller Zeiten. Protonenzusammenstöße mit einer noch nie dagewesenen Energie sollen in der 27 Kilometer langen unterirdischen Testanlage ganz neue Einblicke in fundamentale Fragen der Entstehung des Universums eröffnen.

Was ist der LHC, was macht der LHC?

Der „Large Hadron Collider", kurz gesagt „LHC" ist eine kreisförmige Röhre, die unterirdisch angelegt ist. Die Röhre ist knapp 27 Kilometer lang. Ein dreistöckiges Gebäude hätte darin locker Platz.

Der Tunnel verläuft unter der schweizerisch-französischen Grenze in einer Tiefe von 50 bis 175 Metern, wobei sich der Großteil der Anlage auf französischem Staatsgebiet befindet. Der LHC beschleunigt Protonen auf beinahe Lichtgeschwindigkeit und bringt diese an vier Stellen zum Zusammenstoß. An diesen vier Kollisionspunkten befinden sich Detektoren, um die Wechselwirkungen der entstehenden Teilchenschauer zu untersuchen. Ziel der LHC-Experimente ist es unter anderem, das Higgs-Teilchen zu finden, um die Herkunft der Teilchenmassen zu erklären. Das Higgs ist das letzte noch nicht experimentell nachgewiesene Teilchen des Standardmodells der Teilchenphysik.

Risiken

Da im LHC eventuell Schwarze Löcher oder seltsame Materie erzeugt werden können, gibt es auch Warnungen vor den Risiken. Eine Gruppe um den Chemiker Otto Rössler reichte beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eine Klage gegen die Inbetriebnahme des LHC ein. Der damit verbundene Eilantrag wurde vom Gericht abgewiesen. Das Hauptsacheverfahren steht noch aus.

Das Bundesverfassungsgericht lehnte die Annahme einer Verfassungsbeschwerde im Februar 2010 ab. Kritiker befürchten, dass im LHC entstehende Schwarze Löcher immer mehr Masse/Energie aus der Umgebung aufnehmen könnten. Mit anderen Worten: Ein „Weltuntergangsszenario".

Die Fachleute von CERN weisen jedoch darauf hin, dass die dafür erforderliche Energie im LHC nicht einmal annähernd erreicht würde. Die Experten in CERN sind anerkannte Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass die Schwarzen Löcher die im LHC entstehen könnten, zu klein sind, um Schaden zu verursachen (oder die Welt einzusaugen).

© Rofankurier