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70 Jahre danach: Die Verbrechen der Befreier

Dienstag, 04 August 2015
Freigegeben in International
Vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Viele Nazi-Gräuel wurden in all den Jahren aufgedeckt und aufgearbeitet. Jahrzehnte lang tabuisiert wurden jedoch die Verbrechen, die von Alliierten begangen wurden. Als eine „Armee von Vergewaltigern“ bezeichnete das TIME-Magazine vor 70 Jahren die eigenen Streitkräfte...

EUROPA (hp) Dokumentationen wie „Die Verbrechen der Befreier“ oder „Damals nach dem Krieg“, Historiker-Berichte und Beiträge widmen sich zum 70-jährigen Jubiläum des Kriegs-Endes einem jahrzehntelang tabuisierten Thema: Den Kriegs-Verbrechen der Alliierten Soldaten. Bereits am „D-Day“, dem Tag der Landung in der Normandie,  beginnen am 6. Juli 1944 die Kriegsverbrechen der Alliierten Truppen. Tausende deutsche Soldaten ergaben sich an diesem Tag den US-Soldaten, viele davon erst 16 oder 17 Jahre alt, oft gezwungen zum Wehrdienst.
Doch sie wurden nie wieder gesehen. Nur 130 Gefangene gab es am D-Day am 10 km breiten Landungs-Abschnitt „Omaha-Beach“... Nur 60 davon kommen später überhaupt in den Gefangenen-Sammelstellen an. Der Rest wurde am Weg dorthin erschossen. Ermordet.
Am D-Day werden auch 13.000 US-Fallschirmjäger im Hinterland abgesetzt. Einer der Soldaten schreibt in sein Tagebuch: „Ich fragte ihn, warum seine Hände  rot sind. Er sagte, er hätte „Ohren gejagt“. Dann holte er eine Schnur aus der Tasche, an der er die abgeschnittenen Ohren deutscher Soldaten befestigt hatte...“  
Im Spätsommer 1945 ergab sich ein ganzer deutscher Zug den US-Truppen. Edward Weber von der 9. US-Infanteriedivision schreibt: „Sie mussten sich hinknien. Dann schossen wir ihnen in den Hinterkopf. Als letzter starb ein Teenager, der die Fotos seiner Familie vor sich auf dem Boden ausgebreitet hatte...“
Ein anderer Tagebuch-Eintrag vom Jänner 1945 beschreibt, dass der junge Leutnant einer US-Einheit Gefallen am Töten gefunden habe. Über 50 Gefangene hatte er umgebracht, am liebsten durch das Durchschneiden der Kehle.
Kriegsverbrechen als Rache für Hitlers Angriffskrieg. Die Befreier sind zu Tätern geworden...

Auftrag zum Mord

Dokumentiert ist, dass einer der höchsten Kommandeure der US-Armee, General George Patton,  direkt zum Mord an Gefangenen aufgerufen hat. In einer Rede vor seinen Offizieren sagt er: „Wenn sich der Feind ergeben will: Oh Nein! Der Bastard soll sterben! Ihr werdet ihn töten! Stecht ihm zwischen die 3. und 4. Rippe. Sagt euren Leuten das!“ Viele Divisionen waren seinem Aufruf gefolgt. Das bezeugen Hunderte Tagebuch-Eintragungen von US-Soldaten, die in Frankreich den Großteil der Landungs-Truppen stellten. Ein Massaker an Deutschen und Italienischen Soldaten wurde später von den Tätern sogar mit dem „Befehl“ von General Patton gerechtfertigt.
Der Soldat John Fague erinnert sich: „... als wir aus der Stadt hinaus gingen, hatte jede Gruppe etwa 25 deutsche Gefangene bei sich. Vor der Stadt wurden sie alle mit MGs niedergemäht...“
Nur wenige dieser Fälle werden gemeldet. Bei 3,5 Millionen US-Soldaten gibt es nur zwei Kriegs-Gerichtsverfahren wegen der Tötung von Gefangenen, Verurteilungen: Null.

Eine Armee von Vergewaltigern

Wenige Tage nach der Landung in der Normandie werden Hunderte französische Frauen von ihren „Befreiern“ vergewaltigt. Bereits in den ersten Wochen gibt es 182 Anzeigen wegen Vergewaltigung. Die Dunkelziffer schätzen Historiker um ein vielfaches höher. Eine Betroffene schreibt in ihr Tagebuch: „Die Amerikaner? Wenn es heißt, das waren unsere Befreier... Ja... Aber um was für einen Preis.“ Die deutsche Autorin Prof. Miriam Gebhardt geht in einer „konservativen, vorsichtigen Schätzung“ von 860.000 verübten Vergewaltigungen durch die Alliierten aus...       
                  

Auch in Österreich und Tirol wurden Kriegsverbrechen verübt. Ein Pfarrer aus Süd-Bayern schreibt in die Orts-Chronik: „Zwei US-Soldaten vergewaltigten ein junges Mädchen. Sie drangen nachts in ein Haus ein unter dem Vorwand, eine Hausdurchsuchung durchzuführen. Aber sie suchten nur nach Mädchen...“
Im April 1945 erreichen die US-Truppen München. Übergriffe auf Frauen finden auf offener Straße am helllichten Tag statt. Babette G. sagt in einem Interview 1995: „Da hat mich einer vergewaltigt. Er hat mich in ein altes Gasthaus hineingezogen. Mit der Pistole. Was hätte ich machen können?“
Auch die deutsche Schauspielerin Ursula Herking wurde auf offener Straße von drei US-Soldaten missbraucht. In ihrem Buch „Danke für die Blumen“ schrieb sie 1973: „Der erste ging ein Stück weg mit mir, die anderen sahen zu. Es dauerte 4 Minuten. Dann kam der nächste. Ich dachte: Hoffentlich bekomme ich kein Kind, hoffentlich habe ich mich nicht angesteckt...“ Wegen Vergewaltigung verurteilt werden in der US-Armee meist nur afro-amerikanische Täter. Weiße Täter bleiben von der Justiz verschont.
Dazu Prof. Sönke Neitzel, Historiker, London: „Wir haben viele Dinge aufgearbeitet. Aber die sexuelle Gewalt spielte im zweiten Weltkrieg in allen Heeren eine viel größere Rolle, als angenommen...“

Vergeltung aus der Luft

Die Alliierten waren auch bei der Wahl der Ziele für ihre Bomber-Divisionen nicht zimperlich.
Historiker Prof. Sönke Neitzel sagt dazu in der Dokumentation „Die Verbrechen der Befreier“: „Bis 1941 war man sich auf deutscher wie auf alliierter Seite einig: Wir dürfen Zivilisten nicht zum Haupt-Ziel machen. Diese Haltung weicht sich 1942 mit einer Direktive des britischen Bomber-Commands auf, nun deutsche Zivilisten ausdrücklich zum Haupt-Ziel zu machen!“
Gerechtfertigt wird die Flächen-Bombardierung deutscher Städte, dem fast eine Million Zivilisten in Deutschland und Österreich zum Opfer fallen, damit, dass die deutsche Rüstungs-Industrie so mit aufwendigen Produktionen für die Luftabwehr und für teure Abfangjäger gebunden wurde, anstatt billige Panzer zu bauen...
Dresden eine Sonderstellung ein: Von 13. bis 15. Februar 1945 flogen britische Bomber zuerst Angriffe mit Sprengbomben, um die Dächer der Stadt zu zerstören. Tags darauf wurden 650.000 Brandbomben abgeworfen.
Alles sollte im Feuer untergehen. Mehr als eine Brandbombe pro Einwohner. Der amerikanische Autor Kurt Vonnegut war damals als Gefangener in der Stadt. Er schreibt in seinem Buch „Schlachthof 5“: „Dresden war eine einzige große Flamme. Eine Flamme, die alles Organische verzehrte, alles, was brennbar war“ und vergleicht die Stadt nach der Bombardierung mit einer Mondlandschaft.
25.000 Menschen (Die Deutschen selber sprachen damals von 200.000 Toten), 90.000 Wohnungen und 25.000 Häuser fielen diesem Bombardement zum Opfer. Dresden hätte den Willen zur Verteidigung der Heimat brechen und die Deutschen zur Kapitulation bewegen sollen. Damit rechtfertigten die Alliierten diesen Vernichtungs-Exzess  später.
Doch nicht nur große Städte wurden zum Ziel für die Alliierten Bomber: Auch Dörfer wie Kramsach oder Brixlegg wurden massiv bombardiert. Ziel war die Eisenbahn-Brücke über dem Inn. Viele Bomben verfehlten ihr Ziel und trafen statt dessen Siedlungen und Zivilisten, die versuchten, sich in den Wäldern in Sicherheit zu bringen.

1 Million wie Vieh auf dem Feld

Bei Kriegsende ergibt sich Rudolf Franke, Oberfeldwebel der Luftwaffe, mit seiner Einheit den US-Truppen. Seine Männer und er werden nach Wertgegenständen durchsucht und ausgeraubt.
Mit Tausenden anderen Gefangenen wird Franke in ein Lager am Rhein gesperrt.
Ein weiteres Kriegsverbrechen, zu dem auch aus Österreich Augenzeugen-Berichte vorliegen: Unter freiem Himmel werden die Männer gehalten wie Vieh. Es gibt keine sanitären Einrichtungen, keine Waschräume, keine Schuppen oder Dächer und kaum medizinische Versorgung. Die Männer schlafen unter freiem Himmel. Zu viert teilen sich die Gefangenen 1-Mann-Rationen.
Tausende verlieren in diesen Lagern nach dem Krieg ihr Leben. Sie verhungern oder sterben an Krankheiten. Auch Erschießungen gibt es in diesen US-Lagern. Der US-Soldat Martin Brech, Wache im Lager Andernach, schreibt in sein Tagebuch: „Manche haben in der Nacht einfach zum Spaß in das Lager geschossen. Am Anfang hatten wir ja geglaubt, das wären ohnehin alles Nazis und sie hätten jede Strafe verdient…“
Erst im September 1945 werden die meisten Lager geräumt und die Männer nach Hause geschickt. Noch nach Kriegs-Ende sterben  21.000 Deutsche Soldaten in britischer Gefangenschaft, 22.000 in US-Gefangenschaft und 363.000 in sowjetischer Gefangenschaft...

Exklusiv-Augenzeugen-
 
Wenige Monate vor Kriegs-Ende wurde Karl A. mit 16 Jahren von der Waffen-SS zwangs-rekrutiert und diente im Abwehrkampf an der Ostfront. Ein russischer Durchschuss im Oberschenkel rettete ihm das Leben, weil er dadurch von der Front wegtransportiert wurde und das Kriegsende im Lazarett erlebte.
Nach seiner Genesung wurde er von einem Nachbarn dem Alliierten Kommando gemeldet. Man suchte auch in Österreich noch Monate nach dem Krieg nach „Nazis“.

„Am Zaun schimmelte das Brot während wir verhungerten“
 
Mit 17 Jahren wurde A. verhaftet und zu Tausenden anderen Soldaten aufs Feld gesperrt. Monatelang. Er berichtete dem ROFAN-KURIER exklusiv: „Die Amis bauten das Lager mit zwei Zäunen: Ein elektrisch geladener Innen-Zaun und ein nicht geladener Außen-Zaun. Um den äußeren Zaun patrouillierten die Wach-Soldaten. Dabei warfen sie angebissene Äpfel, Bananen oder Brote und andere Lebensmittel zwischen die Zäune! Wir im Lager litten Hunger. Wir schliefen am Feld wie Vieh. Sie gaben uns kaum etwas zu Essen. Also gruben wir mit den Fingern in der Erde nach Würmern und Wurzeln. Die aßen wir, um zu überleben“, erinnert sich Karl und fährt fort: „Viele meiner Kameraden gingen damals freiwillig an den elektrischen Zaun, weil sie den Hunger, den Dreck und die Krankheiten nicht mehr aushielten. Und die verfaulenden Brote, die zwischen den Zäunen lagen, während sich unsere Bäuche aufblähten. Die Amis forderten uns sogar dazu auf, an den Zaun zu gehen! „Holt euch doch das Brot!“ riefen sie. Holt es euch... Viele von uns sind verhungert oder an Krankheiten gestorben.“
Einer seiner Mitgefangenen, dessen Namen er vergessen hat, bekam in der Nacht Lebensmittel-Pakete von seiner Frau über den Zaun geworfen. Darin befand sich auch Schokolade von den Besatzern.  
„Die Wache erwischte ihn, als er die Schokolade gegessen hat. Sie holten ihn zur Strafe ins Wachzimmer und zwangen ihn mehrere Wochen lang jeden Tag tafelweise Bitterschokolade zu essen. Die wollten, dass er an Verstopfung verreckt!“, erinnert sich Karl A.
Die Wachen ließen diesen Soldaten nicht aus den Augen, damit er sich nicht erbrechen konnte. „Nur bei der Latrine hielten sie Abstand… Wir wurden wie Schweine am Feld gehalten. Und wie bei den Schweinen hat es auch gestunken“, sagt Karl.
Die sanitären Zustände im österreichischen Lager waren katastrophal. Die Latrine bestand aus einem langen Sitzbalken aus Holz und einem Loch für die Fäkalien. Doch das Loch wurde nicht ausgeräumt und auch nicht gekalkt.
„Bei der Latrine hat es so gestunken, dass die Wache Abstand hielt. Wir haben ihm aus Seifen-Stücken mit Holz kleine Zäpfchen geschnitzt. Die haben wir ihm an den Latrinen-Balken geklebt. Jeden Tag hat er sich die Seifenstücke in den Hintern gesteckt. So hat er überlebt… Als er nicht und nicht sterben wollte, ließen sie ihn irgendwann in Ruhe.“ Erst im Herbst 1945 wurde das Lager, in dem Karl A. war, geräumt.
Kriegsverbrechen der Alliierten vor und nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde mehrere Jahrzehnte lang tabuisiert. Auch aus Angst, man könnten dadurch die Kriegs-Gräuel der Nazis relativieren. So blieb dieses Thema Jahrzehnte lang unaufgearbeitet, blieben die Morde und Verbrechen  ungesühnt. Die Inhalte dieses Beitrags stammen unter anderem aus der ZDF-Dokumentation „Die Verbrechen der Befreier“ und „Damals nach dem Krieg“ aber auch aus Erzählungen von Karl. A, der diese vor seinem Tod  der ROFAN-KURIER-Redaktion anvertraute.

19. April 1945 – Bombenangriff auf Brixlegg

Dienstag, 28 April 2015
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Am Donnerstag, 19. April 1945, wurde die Marktgemeinde Brixlegg nach mehreren kleineren Luftangriffen auf das heftigste bombardiert.

BRIXLEGG (klausm) Ortschronistin Elisabeth Sternat lud zu diesem denkwürdigen Anlass am Sonntag, 19. April, zu einer Ausstellung in die restlos überfüllte Eingangszone des Marktgemeindeamtes.
Gezeigt wurden bedrückende Fotografien und Texte, Zeugnisse aus jener Zeit in der das Ende des zweiten Weltkrieges längst bevorstand. In einer Andacht gedachte Pfarrer Josef Wörter gemeinsam mit den anwesenden Ausstellungsbesuchern, darunter auch einige Zeitzeugen, dieses schrecklichen Ereignisses. Gedanken zur Ausstellung, zur Arbeit der Chronistin, kamen von Gemeinderätin Karin Rupprechter sowie Bürgermeister Ing. Rudolf Puecher. „Zum Gedenken 70 Jahre Bomben auf Brixlegg heißt im Umkehrschluss auch seit 70 Jahre Frieden, und dass möge noch lange so bleiben“, meinte Bürgermeister Puecher am Ende seiner Ansprache.
Der erste überraschende Luftangriff auf die Eisenbahnbrücke passierte am Freitag den 16. März. Drei weitere Angriffe folgten, insgesamt starben dabei acht Menschen, die meisten davon waren Kriegsgefangene.
Am 19. April schließlich, unmittelbar vor Kriegsende, fielen bei einem Großangriff auf die Notbrücke und das Montanwerk auf Brixlegg und Umgebung 640 Tonnen Bombenlast, vier Menschen starben. Nach 1 ¾ Stunden permanentem Luftangriff gab es schwerste Schäden zu verzeichnen: Totalzerstörung der Eisenbahnbrücke, Zerstörung der Straßenbrücke und schwerste Schäden im Bereich Herrenhausplatz-Marktstrasse.
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